Die Firma Applus+ RTD Deutschland mit Hauptsitz in Bochum ist nicht nur Deutschlands größter ZfP-Anbieter, sondern auch der mutigste. Gemeinsam mit der DIMATE GmbH arbeitet Applus+ nämlich daran, die Prüfprozesse von analog auf digital umzustellen.

Damit leisten die Bochumer echte Pionierarbeit, denn vergleichbare Projekte und Digitalisierungsansinnen gibt es in Deutschland bisher kaum. „Es gibt wenige Branchen, an denen die Digitalisierung bisher so spurlos vorübergegangen ist, wie die der Zerstörungsfreien Werkstoffprüfung. Mittelfristig wird das zum Problem werden. Schon heute sind gut qualifizierte Prüfer schwierig zu finden, steigen Zeit- und Kostendruck ebenso wie die Anforderungen an Prüfabläufe und -dokumentationen. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Qualität in der ZfP dauerhaft nur digital aufrecht erhalten können. Digitalisierung schafft Transparenz und die schafft wiederum Vertrauen“, erklärt Dr. Michael Neiser, Geschäftsführer der Applus+ RTD Deutschland. Ausgangspunkt für das großangelegte Projekt, das die Digitalisierung von mehreren Raffineriestandorten deutschlandweit und der Firmenzentrale in Bochum umfasst, ist die sogenannte Region West.  

So macht digital Sinn

Aber wie kann die Digitalisierung die Herausforderungen der Branche lösen? Und lohnt sich der Aufwand, einen gleichermaßen anspruchsvollen wie sensiblen Prozess wie den der ZfP auf links zu drehen? Michael Neiser erklärt: „Wir müssen uns klar machen, dass Digitalisierung mehr ist als – salopp formuliert – das Übertragen von Werten in eine Exceltabelle. Es gilt, Prozesse ganz neu zu denken. Dafür braucht es Mut, Gestaltungswillen und einen Technologiepartner, der über ebenso viel Erfahrung und Know-how wie Innovationskraft verfügt. Darum haben wir uns für VISUS Industry als Partner entschieden. Meines Wissens ist DIMATE das einzige Unternehmen, das den Digitalisierungsprozess in der ZfP konsequent bis hin zur digitalen Lebensakte denkt. Und genau da wollen wir hin.“

Im Einzelnen sieht der Prüfprozess, den Applus+ aktuell an einem Pilotstandort implementiert, so aus: Zunächst einmal wird die komplette Auftragsverwaltung digitalisiert. Über eine Schnittstelle zwischen der Datenbank des Kunden und des Systems von Applus+ werden die relevanten Parameter zum Prüfauftrag übertragen. Anhand der Daten erfolgt automatisch die Kapazitätenplanung und Disposition. Auch Freigabe- und Bestätigungsprozess erfolgen automatisch. Der hohe Automatisierungsgrad ist mit spürbaren Zeiteinsparungen verbunden, denn Unterschriften müssen nicht mehr persönlich reihum eingeholt werden. Außerdem können mit wenigen Mausklicks die Besonderheiten einer Prüfung wie Gerüstaufbau, Aufnahmewinkel usw. eingesehen werden.

„Alle Aufgaben rund um die Auftragserfassung und -verarbeitung übernimmt ein Informationssystem, das den Auftrag dann an unser Bilddatenmanagementsystem DIMATE weitergibt“, erklärt Peter Rosiepen, Geschäftsführer der DIMATE GmbH.

Sicheres, vernetztes und herstellerneutrales Bilddatenmanagement

Ab diesem Übergabe-Zeitpunkt wird es spannend. Denn im Gegensatz zu den Insel-Softwarelösungen, die von Herstellern zum Beispiel digitaler Röntgengeräte mitgeliefert werden, übernimmt DIMATE das Bilddatenmanagement aller Prüfgeräte – unabhängig von der Bildquelle, vom Hersteller, vom Nutzer und vom Prüfobjekt. Konkret bedeutet dies: Das gesamte Bilddatenmanagement von Applus+ wird von nur einer Software übernommen. „Für uns hat das gleich mehrere Vorteile. Zum einen erhöhen wir den Standardisierungsgrad und damit auch die Transparenz sowie Effizienz im Prüfprozess, was letztlich zu einer höheren Qualität führt. Zum anderen bietet uns die unternehmensweite Arbeit mit nur einem System die Möglichkeit zur Vernetzung der Kunden-Standorte untereinander. Mittelfristig ist es unser Ziel, dass die Daten aller 18 Standorte zusammenlaufen und die Auswertung der Prüfbilder zentralisiert wird, damit wir die Prüfkapazitäten besser auslasten können“, so der Applus+ Geschäftsführer.

Mit dem Einsatz von DIMATE als Bilddatensystem erhöht Applus+ aber nicht nur die Effizienz, sondern auch die Sicherheit innerhalb des Prüfprozesses. Denn damit DIMATE die Bilddaten verschiedener Bildquellen und unterschiedlicher Hersteller bündeln kann, wandelt die Software alle Bilddaten in das international anerkannte DICONDE-Format um. Das Dateiformat garantiert revisionssichere Prozesse, wie Peter Rosiepen erklärt: „DICONDE ist ein sogenanntes dokumentenechtes Format. Das heißt, dass die Daten in DIMATE  im Fall der Fälle gerichtsfest sind.“

Michael Neiser: „Es wäre auch denkbar, weitere Informationen und Dokumente, also nicht nur die Bilder, in DIMATE zu archivieren. In einem solchen Szenario hätten wir eine digitale Lebensakte eines Bauteils oder einer Anlage, in der alle Informationen – Bilder, Berichte, Zeichnungen – konsolidiert verfügbar wären. Und genau dieses Ziel verfolgen wir aktiv.“ Eine weitere Perspektive besteht darin, die in DIMATE  vorhandenen Daten dem Kunden verfügbar zu machen – zum Beispiel für die Optimierung der Prüf- und Inspektionsprozesse.

 Von einem solchen Szenario ist man aktuell auch bei Applus+ noch ein Stück entfernt, aber die Grundlage wird mit der Pilotphase in der Region West und dem anschließenden Roll-out von DIMATE  über alle Standorte schon heute gelegt. Michael Neiser freut sich abschließend, dass „wir die Anstrengungen dieser Pionierarbeit auf uns genommen haben und unseren Kunden künftig eine konkurrenzlos moderne, sichere, zukunftsorientierte ZfP anbieten können.“

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